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Und jetzt eine Tasse Tee...

... schalten Sie den Wasserkocher ein und bereiten Sie sich eine Tasse Tee zu, bevor Sie weiterlesen! Es folgt eine kurze Geschichte des Tees und wie Tee im Ayurveda verwendet wird.

Der Westen lernte Tee durch die Niederländische Ostindien-Kompanie kennen, welche 1610 als Erste Grüntee aus Japan und Schwarztee aus China importierte. Schon bald entstanden in England erste Teehäuser und mit der Eroberung der «neuen Welt» kam auch Amerika in den Genuss des Tees. Das Gebräu bekam zweifelhafte Berühmtheit durch die «Boston Tea Party», in deren Folge 1775 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach.
Nach Indien kam der Tee 1848 durch Robert Fortune. Er wurde nach China geschickt, um Teepflanzen zu beschaffen und in Indien anzubauen, um die Monopolstellung der Chinesen damit zu brechen. Und eine letzte Zahl: 1908 wurde der Teebeutel versehentlich vom Teehändler Thomas Sullivan in New York erfunden. Er füllte den Tee in kleine Seidenbeutel, um seinen Kunden Teeproben zu senden. Seine Kunden tauchten den Beutel ganz ins Wasser ein, im Glauben, dass dies von Sullivan so vorgesehen gewesen sei. Heute ist Tee in vielen Kulturen in gesellschaftliche Rituale eingebettet: Man kennt die Zeremonien aus China und Japan, aber auch der «afternoon tea»aus England oder die «Salons de thé» aus Frankreich sind berühmt.

Tees im Ayurveda

Im Ayurveda sind Tee-Zubereitungen ein wichtiger Bestandteil der Jahreszeiten-Routine. Speziell jetzt im Herbst, eine Zeit, in welcher Vata dominiert, kann ein Aufguss Wunder bewirken. Denn durch einen warmen Tee können wir das Feuerelement stärken.

Tees gehören zu den sogenannten «kashayams» (Abkochungen/ Auszüge) und werden als besonders wirksam angesehen. «Kashayams» werden in fünf heilkräftige Formulierungen unterteilt:

  • Kräutersäfte «Swaras»
  • Kräuterpasten «Kalkas»
  • Intensive Kräuterabkochungen «Kwaths»
  • Kalte AufgĂĽsse «Himas»
  • Heisse AufgĂĽsse «Phants»

Ayurveda-Tees sind also «Phants»: heisse Aufgüsse, wohltuend und effektiv. Blätter, Blüten und Pflanzen mit Anteilen ätherischer Öle können besonders gut verwendet werden. Schon die «Sarangadhar Samhita» beschreibt sehr präzise, wie man Tee kochen sollte: für den Alltagsgebrauch reiche es, die Kräuter 3 – 5 Minuten in heissem Wasser ziehen zu lassen. Wenn der Tee jedoch in erster Linie als Arzneimittel eingesetzt wird, sollen die Pflanzen länger ziehen. Für die meisten Inhaltsstoffe sind 30 Minuten das Minimum, einige müssen sogar viele Stunden bis zu einem halben Tag lang ziehen.

Temperatur und Inhaltsstoffe

Der Ayurveda legt auch fest, wie die Temperatur des Tees sein soll. Dabei wird folgende Skala angewendet: kalt, kĂĽhl, neutral, warm, tiefwarm, heiss.

  • Kapha-Konstitutionen sollen Getränke heiss oder tiefwarm geniessen
  • Vata-Typen sollten sich zwischen warm und tiefwarm bewegen, um einer zu starken Austrocknung vorzubeugen
  • Pitta-Konstitutionen sollten Getränke neutral bis warm geniessen

Kühle und kalte Flüssigkeiten werden im Ayurveda nur therapeutisch und in Ausnahmefällen empfohlen.

Nebst der Temperatur kommt es im Ayurveda auch auf die richtige Auswahl der Inhaltsstoffe an. Der Einsatz von Süssholz oder Ingwer macht einen Tee nicht automatisch zum Ayurveda-Tee. In Teemischungen sollte eine klare Strategie erkennbar sein – Kombinationen zu gleichen Teilen aus heissem Ingwer und kalter Süssholzwurzel oder trockenem Grüntee mit befeuchtender Eibischwurzel ergeben keinen Sinn und werden als unzuträglich angesehen. Man kann sehr wohl eine intensive Wirkung durch ihr Gegenteil ausgleichen, dann aber in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen: 4 Teile Ingwer mit 1 Teil Süssholz ist ayurvedisch intelligent.

Maharishi Ayurveda hat der Einfachheit halber spezifische Tees für die verschiedenen Konstitutionstypen entwickelt. Ein Vata-Tee beinhaltet Substanzen, die erhöhtes Vata senken. Er sollte wärmend, befeuchtend, stabilisierend und beruhigend wirken.
Die kühlen, trockenen, stabilisierenden und besänftigenden Pflanzen in einem Pitta-Tee senken das erhöhte Pitta.
Der Kapha-Tee wird mit erhitzenden, trocknenden, leichten und anregenden Substanzen zusammengestellt und senkt erhöhtes Kapha.
Ein kleiner Tipp aus der ayurvedischen Teeküche: anstatt die Beutel von Vata- und Kapha-Tee nur mit heissem Wasser zu übergiessen, können Sie die Beutel auch ein paar Minuten mit dem Wasser kochen lassen. Dies intensiviert den Geschmack! Der Pitta-Tee sollte aufgrund der darin enthaltenen Rosenblätter nicht mitgekocht werden.

Indischer Chai

Übrigens: Wer bereits in Indien war, kennt den einzigartigen Geschmack von Chai, welcher an jeder Strassenecke zubereitet wird. Die Grundzutaten sind Wasser, Kuhmilch, Rohrzucker, Schwarztee, frischer Ingwer, Kardamomkapseln, Nelken und häufig eine scharfe Masala-Pulvermischung. Viele Inder (und Touristen) trinken davon mehrere kleine Tassen täglich. Masala Chai ist jedoch keine ayurvedische, sondern eine indische Rezeptur! Ayurvedisch wird sie als reiner Gewürztee durch Weglassen des Schwarztees.

Quellen:
https://www.tea-exclusive.de/Teegeschichte; ayurveda-produkte.de; auyrveda-journal.de;
Schrott und Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und westlichen Medizin, Springer Verlag