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Ayurveda und Kinder

Ayurveda ‚Äď das uralte Gesundheitssystem als trendiger Lifestyle f√ľr angespannte Zeitgenossen? So ist Ihnen Ayurveda vielleicht bekannt.

Aber Ayurveda f√ľr Kinder?

Das ¬ęWissen vom Leben¬Ľ hilft uns, Kinder als eigenst√§ndige, kleine Menschen mit ihren besonderen Bed√ľrfnissen zu verstehen, um sie dadurch in ihrer gesunden Entwicklung unterst√ľtzen zu k√∂nnen.

Nach westlichem Verst√§ndnis beginnt die Kindheit mit dem Tag der Geburt. Umfassendere Sichtweisen definieren den Anfang eines neuen Lebewesens mit dem Moment der Zeugung.¬†Um einem Menschen die bestm√∂glichen Chancen f√ľr ein gesundes Leben mitzugeben, geht der Ayurveda jedoch weit dar√ľber hinaus und beschreibt zahlreiche Massnahmen zur Vorbereitung einer Schwangerschaft. Neben Reinigungsverfahren sind dies haupts√§chlich fruchtbarkeitsf√∂rdernde Lebens- und Ern√§hrungsweisen.

Ist es dann endlich soweit und ein Baby k√ľndigt sich an, steht der Ayurveda der werdenden Mutter und ihrem Ungeborenen mit seinem seit Jahrtausenden bew√§hrten Wissen unterst√ľtzend zur Seite.
Dass die Befindlichkeit der Schwangeren einen prägenden Einfluss auf die körperliche, geistige und seelische Gesundheit des Ungeborenen hat, ist mittlerweile allgemein bekannt.
Ayurvedische Nahrungserg√§nzungen, spezielle Yoga√ľbungen, Meditationstechniken wie die Transzendentale Meditation sowie Ratschl√§ge bei allf√§lligen Beschwerden helfen, dass die neun Schwangerschaftsmonate und die Geburt zu einer gl√ľcklichen Lebensphase f√ľr die Eltern und ihr Kind werden kann. Konsultationen bei einer erfahrenen Ayurveda Expertin oder einem -Experten k√∂nnen dabei unterst√ľtzend wirken.

Das kleine Lebewesen, das im beh√ľtenden Mutterleib heranw√§chst, entwickelt seinen Charakter schon lange vor der Geburt. Seine pers√∂nlichen Bewegungsmuster, deren Intensit√§t, der eigene Schlaf-Wachrhythmus und viele andere Merkmale lassen schon fr√ľh auf das Temperament des kleinen Wesens schliessen.
Die drei Regelkräfte (Doshas) Vata, Pitta und Kapha sind als Grundkonstitution schon bei Babys angelegt und erkennbar.

Begleiten wir als Illustration die drei Kinder Valeria (Vata), Pirmin (Pitta) und Katharina (Kapha) als Babys, im Schulalter und bei der Berufswahl.
Selbstverständlich sind dies (fast) frei erfundene Figuren, in denen jedoch ein grosser Kern Wahrheit steckt. Vielleicht erkennen Sie in ihnen die eigenen Kinder oder gar sich selbst? Auch wird einem Menschen nur sehr selten ein einziges Dosha zugeordnet. Meistens sind zwei Doshas (z.B. Vata-Pitta, Pitta-Kapha, Vata-Kapha) oder alle drei als Tridosha Typ angelegt. Zudem weist der Ayurveda die Doshas nicht nur den Tages- und Jahreszeiten zu, sondern auch den verschiedenen Lebensaltern des Menschen. Das Erwachsenenalter wird als Pitta Zeit bezeichnet, das hohe Alter als Vata Zeit und die Kindheit als Kapha Zeit, wo Körperstruktur aufgebaut wird. All dies spielt eine Rolle bei der Dosha Betrachtung.

Vata, Pitta, Kapha im Babyalter

Valeria, unser Vata Baby, ist feingliedrig und zart. Mit wachen √Ąuglein schaut sie aufmerksam und interessiert, was um sie herum alles passiert. Sie erfreut sich an Gesichtern, Bildern, Kl√§ngen. Doch ihr sensibles, feinsinniges Wesen ist von √§usseren Einfl√ľssen schnell √ľberfordert, sie ist schreckhaft, weint, hat einen leichten Schlaf und wacht oft auf. Da sie leicht kalte H√§ndchen und F√ľsschen bekommt, braucht sie viel W√§rme und K√∂rperkontakt. Auch ihre zu Trockenheit neigende Haut bedarf regelm√§ssiger Pflege. Valerias Appetit und ihre Darmentleerungen sind unregelm√§ssig. Deshalb ist f√ľr sie ein geregelter Tagesablauf mit Ruhephasen besonders wichtig. Am wohlsten ist es ihr in einem Tragetuch, nahe am K√∂rper von Mutter oder Vater, geborgen und gesch√ľtzt vor einer hektischen Welt.

Pirmin, unser Pitta Baby, zeigt sein feuriges Temperament schon fr√ľh. Er verf√ľgt √ľber einen grossen Appetit, trinkt gut und meldet sich ungeduldig und lautstark, wenn ihn der Hunger plagt und die s√ľsse Milch zu lange auf sich warten l√§sst. Seine Haut ist rosig und gut durchblutet, er kann seine K√∂rpertemperatur gut halten. Wird Pirmin zu f√ľrsorglich eingepackt, beginnt er zu schwitzen und f√ľhlt sich unwohl. Dies kann auch in einem engen Tragetuch geschehen, obwohl er k√∂rperliche N√§he durchaus sch√§tzt. Seine Blase und seinen Darm entleert er mehrmals am Tag. Der Windelbereich ben√∂tigt dabei besondere Aufmerksamkeit, da er zu Hautr√∂tungen und Entz√ľndungen neigt.

Katharina, unser Kapha Baby, ist durch das dominante Erdelement ruhig und zufrieden. Sie isst konzentriert, schl√§ft lang und tief und ihre Verdauung arbeitet zuverl√§ssig. Sie nimmt stetig Gewicht zu und hat einen kr√§ftigen K√∂rperbau ‚Äď ein rundum s√ľsses Baby! Katharinas harmonische Grundnatur l√§sst sie das Leben eher bed√§chtig angehen: sich um die eigene Achse drehen oder gar aufstehen, verschiebt sie gerne auf morgen. Ihrer Zufriedenheit tut dies keinen Abbruch. Sie verf√ľgt √ľber eine robuste Grundnatur, einzig Erk√§ltungen mit Schleimbildung k√∂nnen ihr Wohlbefinden gelegentlich tr√ľben.

F√ľr die gesunde Entwicklung eines Kindes empfiehlt der Ayurveda k√∂rperliche und seelische N√§he zwischen Mutter und Baby, Stillen (wenn m√∂glich w√§hrend 6 Monaten) und danach frisch zubereitete und leicht verdauliche Beikost (Suppe aus Basmatireis, sp√§ter mit Gem√ľse erg√§nzt).

Eine wunderbare Vertiefung der Beziehung zwischen den Eltern und ihrem Neugeborenen hat die ayurvedische Babymassage mit warmem √Ėl (Baby Abhyanga). Der Ayurveda betont ausserdem ihre hervorragende Wirkung auf das kindliche Immunsystem.

Vata, Pitta, Kapha im Schulalter

Die unterschiedlichen ayurvedischen Grundkonstitutionen unserer drei Babys Valeria, Pirmin und Katharina erkennen wir auch, wenn wir sie ein paar Jahre später im Schulzimmer besuchen.

Valeria, deren Vata Konstitution vom Luftelement gepr√§gt ist, hat einen zarten K√∂rperbau. Sie springt, h√ľpft zwischen den Schulb√§nken, plaudert hier mit einer Freundin, lacht, wischt die gelockten Haare aus dem Gesicht, sucht das geforderte Material in ihrer Schultasche zusammen und setzt sich dann endlich hin. Im Unterricht l√§sst sie sich begeistern, steuert eigene Ideen bei, lernt den Schulstoff mit Leichtigkeit, vergisst die W√∂rter und Zahlen aber ebenso leicht wieder. Von der Lehrperson wird Valeria hin und wieder ermahnt, da sie gerne plaudert und immer wieder mal etwas vergisst oder verliert. Sie mag F√§cher, wo sie ihr kreatives, k√ľnstlerisches Talent entfalten kann, und die Pausen, wo sie sich uneingeschr√§nkt bewegen und ihre sozialen Kontakte pflegen darf.

Pirmin, das Kind mit dem dominierenden Feuerelement, ist ein heller Kopf und dazu ehrgeizig. Er erkennt Aufgabenstellungen, Zusammenh√§nge und L√∂sungen rasch. So f√§llt ihm das Lernen leicht. Besonders Mathematik, Naturwissenschaften und Sport begeistern ihn. In der Turnhalle und auf dem Sportplatz k√§mpft der Junge mit dem athletischen K√∂rperbau unerbittlich um den Sieg seiner Mannschaft, und auf dem Pausenplatz ist er ab und zu in Streitereien verwickelt. F√ľhlt er sich von der Lehrperson ungerecht behandelt, so argumentiert er mutig und setzt sich f√ľr sich (und das Recht der anderen) ein. Als Klassensprecher √ľbernimmt er Verantwortung f√ľr die ganze Klasse.

Katharina, deren kr√§ftige Grundkonstitution mit dem Erdelement assoziiert wird, ist beliebt in ihrer Klasse. Ihre nat√ľrliche Ruhe und Gutm√ľtigkeit verbinden die unterschiedlichen Charaktere ihrer Mitsch√ľler und bringen Harmonie ins Klassenzimmer. Sie selbst dr√§ngt sich nicht vor, bleibt lieber etwas im Hintergrund.
Der Schulstoff, besonders kompliziert formulierte Aufgaben und Zeitdruck, bereiten ihr manchmal M√ľhe, da sie langsam lernt. Aber wenn Katharina das Gedicht oder die Englischw√∂rter einmal auswendig weiss, vergisst sie sie nie mehr. Sie arbeitet zuverl√§ssig und systematisch, am liebsten in den F√§chern Mensch und Umwelt, Handarbeit und Werken.

Vata, Pitta, Kapha und die Berufswahl

Als Vata Typ wird sich Valeria¬†je nach ihren intellektuellen F√§higkeiten wahrscheinlich von Berufen angezogen f√ľhlen, die ihre Bewegungsfreude, ihre Begeisterungsf√§higkeit, ihre k√ľnstlerisch-kreativen Talente, ihre Freude an Kommunikation, ihre Flexibilit√§t und Wandlungsf√§higkeit erfordern.
Dies können Berufe wie Marketing-Fachfrau, Detailhandelsangestellte, Serviceangestellte, Rezeptionistin, Reiseleiterin, Tanzlehrerin, Mitarbeiterin im Aussendienst etc. sein.

Pirmin, der Pitta Typ, wird sich f√ľr Berufe interessieren, in denen sein klarer Intellekt, seine pr√§gnante Ausdrucksf√§higkeit, seine Zielstrebigkeit und sein Talent, Menschen f√ľhren zu k√∂nnen, gefragt ist. Dazu geh√∂ren die Berufe Arzt, Jurist, Lehrer, Polizist, Profisportler, Elektroinstallateur, Informatiker und viele andere mehr.

Katharina, die wir als Kapha Typ¬†bezeichnen, wird sich wahrscheinlich von Berufen angezogen f√ľhlen, in denen Besonnenheit, Systematik, innere Ruhe und Liebe zu Menschen, Tieren und Pflanzen Grundvoraussetzungen sind. Als Kapha Typ ist Katharina stabil und belastbar, k√∂rperlich und mental. Dazu passen Berufe wie Fachfrau Betreuung, Berufe im Pflegebereich, Tierpflegerin, G√§rtnerin, auch Berufe, die mit Lebensmitteln und deren Verarbeitung zu tun haben wie Koch, B√§cker, oder auch Lastwagen- und Buschauffeur.

Betrachtungen zu Elternschaft und Kindheit aus ayurvedischer Sicht

Obschon Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und f√ľr eine gesunde Entwicklung auch ganz spezifische Bed√ľrfnisse haben, gelten aus ayurvedischer Sicht im Grunde genommen dieselben Erkenntnisse und Massnahmen wie bei den Erwachsenen. Vorbeugung und Wiederherstellung eines ausgeglichenen Zustandes tragen zu einem dynamischen Gleichgewicht und einer guten Gesundheit von K√∂rper, Geist und Seele bei.

F√ľr den Aufbau eines soliden Urvertrauens braucht ein Kind ein stabiles Umfeld, Menschen, denen es vertrauen kann und die selber Sorge zu sich tragen. Wenn M√ľtter und V√§ter diese Lebensaufgabe stets reflektieren und ihre Vorbildfunktion wahrnehmen, sind sie gute Eltern (perfekt kann und muss niemand sein).
Besonders in der heutigen schnelllebigen Zeit mit ihren mannigfaltigen Herausforderungen ist es sehr anspruchsvoll, Eltern zu sein und die Kinder in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Ayurveda, der grosse Wissensschatz der ¬ęMutter aller Gesundheitssysteme¬Ľ,¬†h√§lt auch in der heutigen Zeit eine grosse Vielfalt von Erkenntnissen, Ratschl√§gen und Mittel aus dem Reich der Heilpflanzen und Mineralien bereit.